Freitag, 26. Juni 2009
von göttern
ich würde behaupten, dass ich ziemlich fern von (christlicher) religion aufgewachsen bin, so fern, wie das in einer christlich geprägten gesellschaft möglich ist. als ich kind war, war religion in meiner familie im alltag nicht präsent: keine bibel, keine gebete, keine heiligen, keine kirchbesuche, kein religionsunterricht, keine religiösen lieder und keine ahnung was das mit weihnachten für andere menschen bedeutet...

ein einziges mal, vielleicht 1993, nahm mich mein mittlerweile verstorbener opa zur seite. er hatte mir etwas wichtiges zu sagen und während ich auf dem sofa warten musste, holte er eine kleine bibel, deren rücken mit braunem packklebeband verstärkt war, hervor. dann setzte er sich neben mich auf das sofa und schlug, ohne lange suchen zu müssen, eine seite mit vielen roten buntstiftmarkierungen auf.

und mit großem ernst las er vor, dass ich keinen gott neben jenem gott haben solle und dass ich keine götzen anbeten solle und noch ein paar zeilen mit ähnlichem inhalt.

danach habe ich meinen opa mit anderen augen gesehen. weil ich seine intervention furchtbar unangemessen fand und weil ich das erste mal in meinem leben mit handlungsanweisungen aus der bibel konfrontiert worden war. eben jene bibel ist heute in meinem bücherregal unter "b" eingeordnet, meine beträchtliche sammlung von michael jackson cds steht im regal gegenüber unter "j".

born to amuse, to inspire, to delight / here one day gone one night

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Donnerstag, 4. Juni 2009
während die finger meiner linken hand


nicht schnell genug vom 200 grad heißen topfdeckel weg zuckten (oben links im bild), machten die finger meiner rechten hand dieses nette foto von meinem abendessen: spargel ausm ofen (mit kartoffeln ausm topf). war lecker.

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Samstag, 30. Mai 2009
honduras - nachlese
auch nach zwei wochen berlin vermisse ich tegus wenig. manchmal denke ich: es könnte wärmer sein hier, oder: die mangos könnten besser und billiger sein hier, oder: wo bekomme ich jetzt tajaditas de plátano her? ... viel mehr auch nicht.



auf dem foto sind oben rechts von der mitte der flughafen toncontín, darunter, ebenfalls rechts von der mitte, das fussballstadion und in der rechten unteren ecke die kathedrale zu sehen. die villa olímpica, mein arbeitsplatz am parque la concórdia und la kennedy sind leider nicht drauf. tegucigalpa ist zwar nicht wirklich groß, erstreckt sich aber in einem weiten tal zwischen, auf, über und um diverse hügel herum. (m)eine typische gasse in la kennedy sieht so aus (das mintgrüne haus rechts ist das von meiner zweiten gastfamilie).



an den tagen an denen ich kein mittagessen von zuhause mitbekommen/genommen habe, hab ich mir eines der wechselnden "almuerzos" beim "comedor" um die ecke gekauft. hier im bild "estofado" - so heisst der fleischbrocken (mit kartoffeln) - flankiert von reis, bohnen und tortilla. am meisten gestaunt habe ich allerdings, als ich einmal "espagueti" bestellt habe: das essen bestand nämlich aus ordentlich reis mit tomatensauce, spaghettipamps mit extra hackfleischgebröselsauce und den obligatorischen bohnen und tortillas. irgendwie habe ich leider verpeilt das zu fotografieren.



und weil nicht alles doof war, gibts jetzt noch fotos von schönen dingen: sonnenuntergang von playa grande auf der isla el tigre mit blick auf el salvador.



hieroglyphen in copán.



menschen, die in copán ruinas zur semana santa christliche bilder aus gefärbten sägespänen auf die straßen streuen



ein tucán mit sägeschnabel in copán ruinas.



und eine tucana mit plüschschnabel, die in costa rica auf ihren flug nach madrid wartet.

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Montag, 11. Mai 2009
honduras 5
ich bin kurz vor dem rueckflug und ganz froh drum. und trotzdem schleicht sich ein bisschen melancholie ein. immer wenn ich etwas laenger an einem ort war und ein wenig routine und das gefuehl von alltag hatte, faellt es mir schwer zu gehen.

tegus hat sich in den letzten 4 wochen noch einmal von einer anderen seite gezeigt. ich bin umgezogen und habe nicht nur die familie, sondern auch den stadtteil (colonia) gewechselt, wobei der neue nicht wirklich weniger anstregend, aber doch sehr anders ist, als der vorherige.

die ersten wochen habe ich in der villa olímpica gewohnt und zwar an der hauptverkehrsstrasse, die an der colonia vorbeifuehrt. ich kann gar nicht wirklich sagen, was dort fuer menschen wohnen, weil ich nie in die, durch einen schlagbaum gesicherte, colonia reingegangen bin. wie alle anderen auch, bin ich vom sammeltaxi (collectivo) oder vom auto - und die kids vom schulbus - dirket und ohne umwege zum haus und habe sorgsam hinter mir abgeschlossen. ich habe - wie auch meine gastfamilie - keine nachbar_innen kennen gelernt, mit niemandem gesprochen und auch sonst nichts vom leben mitbekommen, welches sich ausschliesslich in den haeusern abzuspielen schien. vermutlich gehoeren die meisten bewohner_innen der colonia der kleinen (aufstrebenden/unternehmerischen) mittelklasse des landes an. meine gastfamilie gehoerte definitiv dazu.

die letzten wochen habe ich dann in la kennedy gewohnt. la kennedy ist eine stadt in der stadt, die sich ueber eine groessere flaeche ausstreckt. die haeuser sind eher klein und einfach und kleben mit ihren rueckseiten und flanken an anderen haeusern. zwischen den bloecken verlaufen zum grossen teil nur fusswege - weit und breit keine schlagbaeume. es gibt laeden und supermaerkte, ein krankenhaus und banken, internetcafes und jede menge infrastruktur und tagsueber wimmelt es von menschen. in den gassen zwischen den haeusern spielen sogar noch nach sonnenuntergang die kinder. die nachbar_innen gruessen sich und mich und auf dem fussballplatz werden spiele vor einem grossen publikum von nachbar_innen ausgetragen.

la kennedy ist auch nicht ohne und angehoerige der mittelklasse gucken mich besorgt oder entsetzt an, wenn ich sage, wo ich wohne... das war damals in la boca, buenos aires auch so. aber es war gut auch noch dieses stueck tegus kennen gelernt zu haben.

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Donnerstag, 23. April 2009
honduras 4 - rechtschreibung
manchmal fahre ich mit dem sammeltaxi (collectivo) an einem schild vorbei auf dem folgendes steht:

SE PROHIBE VOTAR BASURA MULTA L. 5.000

ein "klassischer" rechtschreibfehler spanischsprechender und -schreibender menschen: die buchstaben b und v werden im schriftbild vertauscht. b und v werden im spanischen (fast?) gleich ausgesprochen, naemlich irgendwo zwischen dem v und dem b der deutschen aussprache, vielleicht etwas naeher am v, also mit leicht geoeffneten lippen.

das schild will - das nehme ich jetzt einfach mal an - eigentlich darauf hinweisen, dass es verboten ist, muell abzuladen/wegzuwerfen (botar basura) und droht im falle des falles mit einer strafe von 5000 lempira - allerhand. tatsaechlich weist das schild aber darauf hin, dass das waehlen von/abstimmen fuer muell (votar basura) verboten ist und unter strafe steht. gute idee.

ich hatte immer den eindruck, dass ich vor diesen fehlern etwas gefeit bin, weil ich so viel spanisch ueber das schriftbild aufgenommen habe und aufgrund meiner muttersprache klar zwischen v und b unterscheide. in dem buch, was ich gerade lese, kam dann das wort vello vor, ueber das ich im ersten moment gestolpert bin und erst durch mentales aussprechen entziffern konnte: vello - flaum, weiche haerchen. in meinem kopf hatte ich mir die schreibung bello zurechtgelegt und fand es nett, dass es vermeintlich genauso geschrieben wird wie bello (schoen, huebsch)... wahrscheinlich, weil ich es, wie viele begriffe fuer koerperteile, im bett gelernt habe?

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